BIG SPECIAL – POSTINDUSTRIAL HOMETOWN BLUES

Rock, VÖ: Mai 2024
Mit POSTINDUSTRIAL HOMETOWN BLUES erkennen BIG SPECIAL die Auswirkungen des Kapitalismus auf die Gesellschaft. Die Band bietet mit ihren 15 Titeln keine Lösungen für die verursachten Probleme, sondern das Album bietet ein therapeutisches Hörerlebnis und wirkt wie ein aufrichtiger Versuch, uns zu vermitteln, dass wir gesehen und gehört werden.

BIG SPECIAL sind eine Macht, mit der man im Jahr 2024 rechnen muss, und ihre Worte auf „POSTINDUSTRIAL HOMETOWN BLUES“ sind ein Hauch von Widerstandskraft. Das ambitionierte Debütalbum spielt in den gotischen, monochromen Midlands, wo sich selbst die heutige Zeit manchmal wie ein Manifest anfühlen kann. Aber anstatt in dieser Last begraben zu werden, hat dieses gefühlvolle, fröhliche Blues-Album die märchenhafte Eskapismus eines jungen Bruce Springsteen, der nach etwas Größerem strebt, das vielleicht gerade noch erreichbar ist. Es ist ein faires Manifest für eine Zeit, in der es keine Absolutheiten gibt, sondern nur einen absoluten Regenguss. Nichts ändert sich. 

Anstatt der Sinnlosigkeit, auf einer Seifenkiste zu stehen und nach Veränderung zu schreien, ist es eloquenter, die Entschlossenheit und Schönheit des Alltäglichen zu zeigen und zu sagen: „Wir sind wichtig“. Wie Schlagzeuger Callum Moloney es ausdrückte: „Anyone who is disenfranchised against this system built against us is going to understand our music.“ Der eröffnende Track „BLACK COUNTY GOTHIC“ fängt den Geist des Debüts und die gesamte Ästhetik des Duos ein. Schreiende Punk-Jungs und gesprächige Künstlerbands gibt es wie Sand am Meer, aber hier gibt es eine bluesige Tiefe. 

Unter einem Turm aus Soul, während Moloney ihm die Hölle heiß macht und Hicklin den verblassten Ruhm seiner Heimatstadt mit „off-white angels kicking feral pigeons and picking up half-smoked nubbins“ als wahres Noir-Epos malt; rohe Gewalt und Zärtlichkeit in gleichem Maße. „BUTCHER’S BIN“ ändert das Tempo, mit einem durchgehenden Dance-Beat und einer gemäßigteren Darbietung, die in die aktuelle Single „DUST OFF / START AGAIN“ übergeht. Der Rhythmus erinnert durchgehend an den Marsch einer Sträflingskolonne, und der Wechsel zwischen den Gesangsstilen ist herzzerreißend. 

Thematisch beschreibt das Lied die Auswirkungen einer gescheiterten Regierungspolitik auf die psychische Gesundheit einer Generation. Es erkennt an, dass es nach einem Sturz immer Hoffnung auf einen Neuanfang geben sollte, stellt aber auch fest, dass das Leben kein Kreislauf sein sollte, in dem man sich aufbaut, nur um wieder niedergeschlagen zu werden. „Don’t die lad, I need you in on Monday…“ Dieses Gefühl des Trotzes setzt sich mit „TREES“ fort. Die kombinierten Gesänge beginnen mit einem pumpenden Beat und vermitteln fast ein Gefühl der Gemeinschaft. Am Ende ist der Schrei „No peace, No peace“ pure Emotion.

Im krassen Gegensatz dazu ist „FOR THE BIRDS“ ein kurzes, eindringliches Stück mit gesprochenem Wort, das mit einer Rückkehr dieser Angst auslösenden statischen Aufladung beginnt. „We were supposed to be young, half cut and completely severed.“ Das Wortspiel ist durchgehend ergreifend und fesselnd. BIG SPECIAL beenden „POSTINDUSTRIAL HOMETOWN BLUES“ mit „DiG!“, das ein Gefühl der Hoffnung vermittelt, erhebend und herrlich wirkt und den Mächtigen den Mittelfinger zu zeigen scheint. Lasst euch von den Bastarden nicht unterkriegen, lautet die Botschaft. Mitreißend und aufrüttelnd ist dieser Gänsehaut-erregende Abschluss des Albums.

In „POSTINDUSTRIAL HOMETOWN BLUES“ erzählen sie ihre Geschichte, aber es ist eine universelle. Die Freude daran, mit Texten Emotionen auszudrücken, ist spürbar, ebenso wie ihr Humor. Das Duo nutzt seine Musikalität und wechselt zwischen Soul und Blues, Punk und Leidenschaft. Sie haben bei der Erstellung ihres Debütalbums alles gegeben, und wir sind verdammt dankbar dafür.

8.1