Big Joanie – Back Home

Indie Rock, November 2022
BACK HOME ist ein poetisches und kreatives Album. Es ist launisch und nachdenklich und verkörpert die Magie, die BIG JOANIE ausmachen.

Das zweite Album „Back Home“ zeigt ein gesteigertes Vertrauen in die Produktion, ohne die Unmittelbarkeit zu opfern, die dieses Trio zu einem sehenswerten macht. Es gibt immer noch jede Menge schmuddelige Gitarren, aber der Gesang von Stephanie Phillips glänzt mit einem neu erworbenen Glanz, der es unmöglich macht, die aufschlussreichen Texte zu ignorieren. Aber sie haben auch die Synthesizer nicht vergessen, besonders auf dem geradlinigen Industrial „Sainted“, das das Album abschließt. Das eröffnende Stück „Cactus Tree“ ist eine so hartnäckige Abkehr von den mutigen Art-Punk-Stilen des Debüts, wie man es sich nur vorstellen kann. In seiner Essenz klingt es wie eine Afrobeat-beeinflusste Folk-Ballade, getragen von Phillips‘ warmer Gesangsdarbietung und Taylor Stone’s rasendem Puls. Diese Elemente werden von geschmolzener Lava durchtränkten Gitarrensprüngen und tektonischen Digi-Geräuschen untermalt, die ein wenig an den Track „Playhouses“ von TV On The Radio erinnern.

Während diese spezielle Produktion die Musik an die futuristische Grenze treibt, scheint „Cactus Tree“ absichtlich etwas von Big Joanie’s herzlicher dreiteiliger Chemie – mit üppigen Drei-Wege-Harmonien – in seine reißende Synthese einzuweben, als würde es das Flackern einer Kerze inmitten eines Gewitters abschirmen. Es ist einer der besten Album-Opener einer Punkband in jüngster Zeit. An anderer Stelle sind Songs wie „Taut“ und „In My Arms“ näher an den Wurzeln der Band, ringen aber immer noch ihren Weg weg vom reinen Drei-Akkord-Punk hin zu etwas Weitläufigerem und Breitwandigem. „Sistahs“ hätte neben den 00er-Veröffentlichungen des einflussreichen Kill Rock Stars-Labels aus dem pazifischen Nordwesten, das Platten von Bikini Kill, Elliott Smith, Sleater-Kinney und anderen veröffentlichte, sehr zu Hause geklungen. 

Wieder einmal ist es fast passend, dass das Trio – nachdem es tatsächlich bei Kill Rock Stars in den Staaten für „Back Home“ unterschrieben hatte – eine Platte machte, die diese einfache Kategorisierung umgeht. Textlich ist „Back Home“ auch eine Erweiterung, bei der das Trio über die Idee von Heimat nachdenkt, sei es ein konkreter Ort oder nur eine Idee. Es kann sich in politischen Kommentaren manifestieren, in Liedern über die Immobilienkrise oder den Kapitalismus oder in eher introspektiven, persönlichen Liedern über das Besiegen von Depressionen, aber die Erforschung – musikalisch und textlich – bleibt das schlagende Herz des Albums. Also, obwohl „Back Home“ doch nicht so richtig Punk ist, ist es irgendwie doch eher Punk, nur um mit einer Form zu brechen? Punk ist eine Ausdrucksfreiheit für jeden, der mutig genug ist, wütend zu sein, einen Raum zu betreten und ein Zuhause zu schaffen, wo man normalerweise nicht willkommen ist. 

Big Joanie machen sich auf der Platte ein eigenes Zuhause und hinterlassen dabei ihren eigenen Stempel auf dem zeitgenössischen Rock. Die Band arbeitete übrigens mit der multidisziplinären Künstlerin Angelica Ellis zusammen, um das auffällige gestickte Cover zu entwerfen, das Chardine’s Neffen beim Friseur darstellt. Das Kunstwerk ist eine Anspielung auf die bestickten Wandbehänge, die nach Windrush in karibischen Häusern beliebt waren und eine Erinnerung an die Häuser waren, die sie zurückgelassen hatten.

8.6