Belle and Sebastian – A Bit of Previous

Trotz einer gewissen Langweiligkeit, klingen BELLE AND SEBASTIAN zufrieden, befreit und beherrschen ihr Handwerk, was mehr ist, als man von vielen alternden Indie-Acts sagen kann.

In den sieben Jahren seit dem letzten Album der Gruppe haben die Mitglieder von Belle and Sebastian ihren Touch nicht verloren und liefern immer noch enge Kammerpop-Kompositionen mit cleveren Texten und einem unnachahmlichen Indie-Flair. Dies wird sofort beim Eröffnungstrack „Young and Stupid“ deutlich, einer Quintessenz von Belle und Sebastian, die einen der Hauptschwerpunkte des Albums anspricht: das Alter. Die sonnige Indie-Pop-Melodie des Tracks maskiert seine eher melancholischen lyrischen Implikationen, Frontmann Stuart Murdoch bemerkt: „Nature has the lead/When you’re young and stupid/Nurture will impede/When you’re young and stupid“. Es ist eine Freude zu hören, wie Murdoch die sensible Melancholie seiner frühen Jahre in einen neuen Lebensabschnitt bringt.

Die herausragende Single „Unnecessary Drama“ verschmutzt den Sound mit einem Garagen-E-Stampfer, Gitarrist Stevie Jackson’s jammernde Mundharmonika erinnert an das bahnbrechende „Me and the Major“ der Band. Das verschlafene „If They’re Shooting at You“ und das swingende „Come on Home“ erinnern an die warme AM-Seele von „The Life Pursuit“ aus dem Jahr 2006. Dasselbe gilt für das anschmiegsame „Working Boy in New York City“, obwohl das wunderschöne Arrangement aus Flöten und weichen Harmonien dieses Tracks etwas durch eine fehlerhafte Tonhöhenkorrektur beeinträchtigt wird, wodurch es klingt, als würde Murdoch’s Stimme einen Kurzschluss erleiden. „Prophets on Hold“ und „Talk to Me Talk to Me“ gehen untypischerweise in Richtung Funk und Disco. 

Sarah Martin fügt auf „Reclaim The Night“ ein vertiefendes, leidenschaftliches Plädoyer für weibliche Selbstbestimmtheit hinzu, während „Do It For Your Country“ mit seinen leuchtenden Gitarren-Arpeggios und John-F.-Kennedy-Anspielungen eine großzügige Dosis literarischen Murdoch-Rätsels enthält: “I know you look at me, lobster in a pot / Songbird in a gilded nightmare / Nothing will hold you, not even when he begs / To wrap around your legs and hips.” Hier gibt es kein zweites „Like Dylan in the Movies“ oder „The State I Am In“. Doch sobald wir Belle and Sebastian für das schätzen, was sie heute sind – Meditationsgurus, Eltern, alternde Koryphäen des handgestrickten Folk-Pop – ist klar, dass dies eine lustige, unprätentiöse Reihe von Songs mit abwechslungsreicher Dynamik und sympathischen Charakteren ist. 

Belle and Sebastian finden auf „A Bit of Previous“ die Balance zwischen dem Feiern des vertrauten Sounds der Gruppe und dem Beweis, dass sie immer noch etwas zu sagen haben.

6.8