Be Your Own Pet – Mommy

Indie Rock, VÖ: August 2023
Everyone’s gotta grow up,” singt Jemina Pearl auf dem ersten Album von BE YOUR OWN PET seit 15 Jahren. Es ist ein Thema, mit dem sie sich bestens auskennt.

Als die Band – deren Mitglieder kaum Teenager waren – nach „Get Awkward“ im Jahr 2008 implodierte, lag das teils an den erschöpfenden Forderungen der Major-Labels, teils an der bösartigen Frauenfeindlichkeit, mit der Sängerin Jemina Pearl konfrontiert wurde. Obwohl Be Your Own Pet wieder vereint waren, kamen sie nicht ganz so zurück, wie sie mal einst waren: Die Zeiten änderten sich, und sie auch. Ursprünglich schrieb die Band zuerst die Musik und Pearl passte ihre Texte dazu an; Bei „Mommy“ leitet Pearl die Show. Wie der Titel und die Bilder andeuten, geht es ihr um Macht – wer sie ausübt, wie sie ihr genommen wurde und wie sie sie zurückbekommt. Wir hören sie auf „Bad Mood Rising“ über psychische Probleme singen („It’s like I got two personalities/One that hates you and one that hates me“), statt über die Fahrräder, Messerkämpfe und Abenteuer, die Be Your Own Pet’s ersten beiden Alben bevölkerten.

Es sind auch erschütternde Erinnerung daran, wie viel Pearl durchgemacht hat, aber sie hat nichts von ihrer elektrisierenden Unmittelbarkeit als Frontfrau verloren. „Mommy“ ist am wirksamsten, wenn sie ihre Wut darüber zum Ausdruck bringt, dass sie als Teenager-Rockstar sexualisiert und als Mutter ins Abseits gedrängt und abgetan wurde. Es ist eine faszinierende Doppelperspektive, die sie auf die Rachephantasien von „Hand Grenade“ („I’ll be the reason you can’t sleep in the middle of the night“) und das mütterliche FOMO von „Goodtime!“ erforscht („Used to be the life of the party/Now I’m not so juvenile“). Die wiedervereinigten Be Your Own Pet stehen der Welt, in die sie zurückgekehrt sind, ebenso kritisch gegenüber. Die wilde Energie, die Be Your Own Pet beim ersten Mal auszeichnete, bleibt jedoch bestehen, ebenso wie ihr Talent für einen quälenden Ohrwurm-Refrain. 

Sengende Hooklines und mitreißende Melodien prägen eine Frontfrau mit grenzenlosem Charisma; Vielleicht ist ihr herausragender Moment hier das furiose „Big Trouble“, das sicherlich den Status einer Hymne haben wird. Be Your Own Pet haben sich die Vitalität ihrer Jugend bewahrt und gleichzeitig den Ballast hinter sich gelassen.

8.6