Avril Lavigne – The Best Damn Thing

PopRock, VÖ: April 2007
AVRIL LAVIGNE ist eine der letzten Verfechterinnen des reinen Teenie-Pops, die noch auf der Bühne steht.

Für die meisten ehemaligen Teenager-Popstars bedeutet das dritte Album eines: Zeit, erwachsen zu werden, indem man sich entweder mehr auszieht oder mehr Balladen singt. Nicht so bei Avril Lavigne. Als Teenager machte sie Angst-Pop, voller mürrischer Rebellion und Außenseiter-Power. Jetzt, als verheiratete Frau von 22 Jahren, hat sie ihrem inneren Teenager freien Lauf gelassen: „The Best Damn Thing“ ist ein rasanter Ritt, bei dem sie die Zeit ihres Lebens genießt. Lavigne hat eine Vorliebe für freche Angeberei entwickelt; oder, wie sie es in der brillant süchtig machenden Single „Girlfriend“ ausdrückt: „Hell yeah, I’m the motherfucking princess.“ 

In Bezug auf High-School-Archetypen hat sie eindeutig die Seite gewechselt: Anstatt für „sk8er bois“ einzustehen, legt sich Lavigne nun gnadenlos gegen Rivalen an. Ihr Selbstvertrauen ist widerlich, aber unwiderstehlich, egal ob sie die Perioden im druckvollen Titelsong singt oder mit Begeisterung in den massiven Softrock-Refrain von „Runaway“ einsteigt. Es ist erwähnenswert, dass es ihr, auch wenn es ihr nicht völlig gelungen ist, sich neu zu erfinden, wie P!nk es in der Zeit zwischen ihren ersten und zweiten Studienjahren getan hat, gelungen ist, sich ein wenig von dem unaufrichtigen Pop ihres Debüts zu lösen. 

Sie hat auf Kosten ihrer musikalischen Anziehungskraft ein gewisses Maß an Unabhängigkeit erlangt. Vorbei ist die Pseudo-Evaneszenz-Trägheit ihres zweiten Albums, zurück in den Vordergrund mit dem unaufhaltsamen Pop-Punk-Ansturm, der die besten Momente ihres Debütalbums prägte. Wie Lavigne selbst kürzlich in einem Interview sagte, ist das Album „fast and energetic“, das Ergebnis der „[realizing that] my favorite songs to play live are all the fast ones like ‘Sk8er Boi’. It took a couple records for me to realize what exactly I want to do. This is exactly what I want to do.“

Mit Ausnahme einiger klarer Balladen hält das Album tatsächlich dieses Versprechen, und ihr Enthusiasmus kann über weite Strecken des Albums ansteckend sein. Trotzdem bleibt „The Best Damn Thing“ ein großer Rückschritt für eine Künstlerin, die gerade erst erwachsen wurde.

6.6