Anna Von Hausswolff – Ceremony

PopRock, VÖ: Juli 2012

Die Stimme von Anna von Hausswolff ist eine musikalische Waffe. Wir sind mit dieser Erkentnis spät dran. Immerhin ist zweite Album der schwedischen Künstlerin Anna Michaela Ebba Electra von Hausswolff schon seit einiger Zeit im Heimatland erhältlich. Ihr erstes Album ‚ Singing from the Grave ‚ aus dem Jahr 2010 zeichnete sich durch eine unerbitterliche Anziehungskraft aus und auch wenn Hausswolff bei ‚ Ceremony ‚ ein bisschen davon abweicht, bleibt letztlich der Beweis für die schnelle und beeindruckende musikalische Entwicklung stehen, in deren Zentrum eine Orgel steht. Nicht irgendeine Orgel. Eine große, mächtige und massive Kirchenorgel, die uns im eröffnenden Stück ‚ Epitaph of Theodor ‚ als imposanter Vorbote die Prächtigkeit der Platte hingebungsvoll zu Füßen legt. Wie ein ungeheuerlich wertvolles Gut wird dabei auch die Stimme behandelt, auf deren Einsatz wir uns knappe zehn Minuten gedulden müssen. ‚ Deathbed ‚ schafft eine dunkle und gefährliche Atmosphäre zwischen unverwechselbaren Klangfarben und einer unerwarteten Wendung.

‚ Mountains Crave ‚ besitzt dagegen eine unbeschwerte Leichtigkeit, während ‚ Epitaph of Daniel ‚ an die eindringlichen und würdevollen Motive von Twin Peaks Angelo Badalamenti erinnert. ‚ No Body ‚ stürzt sich mit kurvenreichen Tonlagen in eine anspannende Tiefe und landet auf einem ausgefransten samtigen Sitz eines mittelalterlichen Throns. Die Texte strahlen dabei einen Byron-artigen Optimismus aus, Natur trifft auf Leben wenn es im Stück ‚ Old Beauty ‚ heißt: „Times they are a-changing when we’re passing through this door. And yes, you are a beauty like you never were before. And as I look upon your face I see it in your eyes. You’re not longer part of this. You are now prepared to die.” Der Name von Hausswolff ist übrigens alter schwedischer Adel, war es doch Bernhard Reynold von Hausswolff, der im 18. Jahrhundert als Gouverneur der Provinz Falun daran beteiligt war, den Hexenverbrennungen ein Ende zu machen. Und es war der Großvater, der sie zu Ihrem Song ‚ Harmonica ‚ inspirierte: “It’s a song I wrote just after my grandfather passed away,” erinnert sich die Musikerin. „Just before he died, he gave me a harmonica and he told me to practise hard and only write about things that are relevant to me.”

Andere bemerkenswerte Tracks wären noch das verständlicherweise melancholische ‚ Goodbye ‚, das an die ethno-elektronische Gruppe Deep Forest erinnernde ‚ Ocean ‚, das erlösende ‚ Funeral For My Future Children ‚ ´und letztlich noch ‚ Sun Rise ‚, welches dem Album glücklichweise nach all der Düsternis einen positiven Stempel aufdrücken kann. Anna von Hausswolff war gerade als Support von Efterklang auf Europatournee, wird den Sommer über ausgewählte Festivals spielen und im Herbst auf Tour kommen.

8.0