Animal Collective – Tangerine Reef

Indie Rock, VÖ: August 2018

Bei Animal Collective geistert gerne mal der Begriff Schizophrenie durch meinen Kopf. Denn es gibt zwei Ebenen auf denen sich die Alben von Animal Collective bewegen: Es gibt die reinen Studioalben und dann gibt es seltsame experimentelle Projekte wie „Meeting of the Waters“ aus dem letzten Jahr, welches live im Regenwald aufgenommen wurde. Ebenso ist „ODDSAC 2010“ ein Teil dieser Ebene und zeigte die Kollaboration zwischen der Band und Filmemacher Danny Perez. Premiere feierte der abstrakte Film samt dem dazugehörigen Soundtrack von Animal Collective damals auf dem Sundance Film Festival.

„Tangerine Reef“ fällt für mich entschieden in das zweite Lager und ist daher auch kein richtiges Animal Collective Album. Die Einsätze sind hier verständlicherweise etwas niedriger. Zum einen war Panda Bear nicht dabei und entsprechend auch nicht seine Percussions und Beach Boys-angehauchten Popsensibilitäten. Ein Element das auf „Tangerine Reef“ schmerzlich vermisst wird. Animal Collective irren meist ziellos in diesen 13 Tracks herum und taumeln dabei durch abstrakte Landschaften, tauchen durch seekranke Synth-Strudel und Avey’s murmelnde Gesänge.

„Tangerine Reef“ ist allerdings in erster Linie ein Umweltkunstprojekt, das das Bewusstsein für gefährdete Korallen stärken soll. Aus dieser Sicht natürlich eine lobenswerte Sache. Als Hörerlebnis ist es leider sehr undurchdringlich und geprägt von experimentellen Klangskulpturen aus kontrastierenden Tonhöhen, die den Korallenkreaturen und ihrer aquatischen Welt eine musikalische Stimme verleihen. Wenn es halt nur eine etwas lieblichere Stimme gewesen wäre.

 

6.3