Alicia Keys – The Diary of Alicia Keys

R&BSoul, Dezember 2003
ALICIA KEYS wurde für ihr Debüt Songs in A Minor als Soul-Wunderkind gefeiert. Aber der Erfolg hat sie nicht verdorben. THE DIARY OF ALICIA KEYS ist ein sicheres, erwachsenes Statement, das vom komplizierten Liebesleben und den musikalischen Träumen einer ehrgeizigen jungen Frau durchdrungen ist.

Die erste Single „You Don’t Know My Name“ basiert auf einem Sample aus „Let Me Prove My Love to You“ der New Yorker Gruppe „Main Ingredient“ aus den 1970er Jahren. Die Verschmelzung von modernem Street-Funk mit seinen großartigen, saitenbeladenen Vorgängern ist kaum das frischeste Konzept, aber die Subtilität – und die atemberaubende Stimme von Alicia Keys – trägt es durch. Obwohl es nichts so Unmittelbares wie „Fallin‘“ oder irgendetwas so Ermächtigendes wie „A Woman’s Worth“ gibt (am nächsten kommt das hitverdächtige „When You Really Love Someone“), ist das Album eine geschickte Mischung von Moderne und Klassik.

Das Album beginnt richtig mit zwei klobigen, von Bläsern durchdrungenen Club-Tracks, „Karma“ und dem Shaft-artigen „Heartburn“, geht aber schnell in Keys‘ charakteristische Click-Track-Percussion-Romantik über. Die Ausnahme ist „Dragon Days“ mit seinen hüpfenden Keyboards, klassischen Rockgitarren-Licks und schwülen, überraschend dissonanten Gesangsdarbietungen: “I feel like an addict must feel when he feeds.” Trotz all der Fanfaren, die ihr Debüt umgaben, bleibt Keys in der Musik geerdet. „If I Ain’t Got You“ ist der einzige Song, der aus der Perspektive eines Starlets erzählt wird: “Some people live for the fortune/Some people live just for the fame… I’ve been there before/But that life’s a bore.”

Schon der Titel von „The Diary of Alicia Keys“ – entwaffnend einfach und selbstgefällig zugleich – deutet darauf hin, dass Keys, wie Nelly Furtado, ihren Ruhm ein wenig zu ernst nimmt und sich gezwungen fühlt, ihre Weltanschauung ungefiltert zu präsentieren und auf künstlerische Zweideutigkeiten zu verzichten. Wer also ein weiteres Album erwartet, auf dem Keys über ihr Alter hinaus weise klingt, wird von „The Diary of Alicia Keys“ enttäuscht sein, da ihr Schreibstil ihr Alter auf eine Weise offenbart, wie es auf dem Debüt nie der Fall war. Doch das ist ein typisches Problem bei den zweiten Studioveröffentlichungen – doch wird es von ihren kontinuierlich beeindruckenden musikalischen Leistungen aufgewogen.

7.1