Metronomy ‎– Love Letters

In den letzten Jahren gehörten Metronomy zu den innig geliebten und sehr geschätzten Indie-Pop Künstlern (mindestens) auf diesem Planeten. Die aus der Kälte kommenden Metronomy hatten seit 2011 nichts mehr veröffentlicht – doch jetzt steht die triumphale Rückkehr an und zugleich ist ‚ Love Letters ‚ der Blick über die verspielte elektronische Pop-Musik des Vorgängers hin zu einem aufreizenden und sich ständig wechselnden Schmelztiegel aus Drum-Maschines, 60er Jahre Motown, lo-Fi-Pop, klapprige und auf ein Minimum reduzierte 80er Jahre Elektronik. Es wäre zudem nicht verwunderlich, wenn Metronomy sich an den analogen Gerätschaften in den Toe Rag Studios vergriffen hätten. Doch wie auch immer, das Endergebnis ist spektakulär und randvoll mit spannenden Melodien, die oftmals erst sehr zaghaft beginnen, sich in der Düsternis verstecken, nur um dann plötzlich aus der irreführenden Deckung zu springen und den Hörer mit zuckersüßer Romantik um den Finger zu wickeln. ‚ The Upsetter ‚ klimpert verführerisch auf tiefer Ebene um das Thema der Liebe und ist der perfekte Einstieg in das vierte Werk des Quartetts aus Devon, England. ‚ I’m Aquarius ‚ wurde ebenfalls von dieser fantastischen Atmosphäre umschlossen, die beruhigenden Synths und die üppigen Shoo-Doops spielen auf die verlassene Romantik von Sänger Joseph Mount an: „Never saw just how much you thought I meant to me / Never learned about it at university“. Natürlich funkelt es auch hier durch die reichlich aufgereihten Haken. Inspiration suchte der Track übrigens bei ‚ Let The Sunshine In ’ von Diana Ross & The Supremes. Astrologische Garnierung im Stil der 60er Jahre. ‚ Month of Sundays ‚ unterhält mit herrlich weinerlichen Gitarren und knüpft mit diesen attraktive Anleihen zu The Cure. Danach entschwinden Metronomy in ein Instrumental. Wir befinden uns auf einmal in der faszinierenden Schwerelosigkeit, sehen beeindruckend komplexe Rhythmen und knarzende Disco/Funk-Synths, die innovativ und lässig die gesangslose Kunst zurück auf die Tanzfläche bringt. Metronomy beherrschen wie nur wenige Bands die große Kunst des kritiklosen Pop-Songs. ‚ Love Letters ‚ ist groß. Es findet sich darauf ungeuerlich viel Potential und eine fast makellose Bilanz zwischen aufregender Ruhe, modernen Phantasien und subtilen Harmonien. Trotzdem fühlt es sich zuweilen (nur) wie ein endgültiger Entwurf an, als hätten die Engländer noch etwas zurückgehalten um unseren Appetit nicht vollkommen für die nächsten Jahre zu ersticken. Sollte das letztlich so sein, dann steht uns noch wahrlich außergewöhnliches bevor.

7.2