The Cure – Seventeen Seconds

Die achtziger Jahre waren eine magische Zeit. Die Mode erlebte radikale Veränderungen. Die CD eroberte sich die Marktherrschaft und den ganzen Sommer über hörte man aus den Fenstern der Häuser die Musik von Depeche Mode, Madonna und THE CURE.

Es ist kaum zu glauben, das The Cure ein Album veröffentlichen könnten, das noch spärlicher als „Three Imaginary Boys“ ist, aber mit „Seventeen Seconds“ folgte der Beweis. Der Besetzungswechsel, bei dem der Bassist Michael Dempsey zugunsten des spezifischeren Spiels von Simon Gallup (schließlich das am längsten amtierende Mitglied außerhalb von Robert Smith) und Keyboarder Mathieu Hartley hinzukamen, führte dazu, dass die Band klangstarrer und disziplinierter in der Haltung wurde. Nachdem Thatcher neu thronte und die explosive Energie des Punk bereits eine vage Erinnerung war, begann ein Großteil der britischen Musikszene das Jahrzehnt in mürrischer Apathie. Der Selbstmord von Ian Curtis im Mai 1980 mag die düstere Karriere der Joy Division verkürzt haben, aber es gab viele, die bereit waren, das Erbe anzutreten – nicht zuletzt The Cure – die wenige Wochen vor seinem frühen Tod „Seventeen Seconds“ veröffentlichen.

Zu dieser Zeit waren The Cure nicht die vielfältigste Band da draußen. Ihre Musik war etwas formelhaft und erinnerte an Post Punk und Art Rock Bands der siebziger Jahre. Das heißt aber nicht, dass Ihr Songschreiberhandwerk, dass die Band benutzte, schlecht war. Tatsächlich ist es ein sehr schöner Sound und die Band wusste genau, diesen für sich gewinnbringend zu nutzen. Ja, es ist vage, verhängnisvoll und erstickend dunkel, aber es hat auch eine fast tanzbare Wendung durch seine sehr rhythmische, niedergeschlagene und eingängige Grundierung. Auf Tracks wie „A Forest“ und „Secrets“ wird die dominante Stimmung eindeutig von der tatsächlichen Musik eingefangen, sehr dunkel und angespannt, aber durch die Stimmung wird die reine und grundlegende Eingängigkeit und der Spaß eines Standard-Pop-Tracks aus dieser Zeit verdeckt. „Seventeen Seconds“ ist atemberaubend und simpel, umgeben von einer dunklen Aura und gleichzeitig mit einem fast optimistischen Gefühl überzogen. 

Es ist schwer, einen Finger darauf zu legen, aber wir wissen, wenn Robert Smith Texte wie “the reasons are clear, the faces are drawn, ready for the next attack” und “time slips away, and the light begins to fade, everything is quiet now”, merkt man, dass er ihnen gegenüber aufrichtig ist. Seine milchige Stimme, die über die nervöse, schmerzende und quälend düstere Musik gezeichnet ist, bleibt bis heute unerreicht. Leider beginnt das Album erstmal sinnlos mit dem instrumentalen Song „A Reflection“, der, obwohl er Spaß macht, das Album nicht so gut aufbaut, wie man es sich für einen Eröffnungssong erhoffen würde. „Three“ und „At Night“ brauchen unglaublich lange um loszulegen, und selbst wenn sich die Melodien endlich langsam erwärmen, merken wir, dass das Ziel, das die Band zu erreichen versucht, überhaupt nicht aufregend ist.

Aber es ist letztlich der Stil, den „A Forest“, „In Your House“ und „Play For Today“ verkörpern und dann am effektivsten wird, wenn die Band schnell, energisch, der Dunkelheit treu bleibend und letztendlich äußerst unterhaltsam voran schreitet – obwohl es für die genau entgegengesetzte Art des Hörens gedacht sein könnte. Ja, die Band hatte ihre Einflüsse, aber sie strahlte hell, weil sie zwar zu diesen Bands hinüber blickte, aber nicht so klangen, als hätten sie sie Note für Note kopiert. Zum Teufel, man könnte diese Songs sogar als „Spaß“ bezeichnen. In gewisser Weise wurde „Seventeen Seconds“ auch zum Beginn einer Art Trilogie der Leere, die zur Infragestellung und schließlich zum Wahnsinn der nachfolgenden Platten führte.

8/10