Tears for Fears – The Seeds of Love

Die Produktion für THE SEEDS OF LOVE lehnt sich stark an I Am the Walrus der Beatles an, endet aber als spirituelle, gesellschaftspolitische Hymne im eigenen Klanguniversum der TEARS FOR FEARS.

Roland Orzabal von Tears For Fears begann 1985 mit dem Touring-Keyboarder Nicky Holland an neuen Songs zu schreiben und fuhr 1986 damit in London fort. Ihre Zusammenarbeit brachte die Hälfte der Tracks des Albums zusammen, darunter „Bad Man’s Song“. Aufgrund des Drucks von außen ist Smith’s einziger Co-Writing-Verdienst der hochfliegende Titeltrack, obwohl er in allen Charts und Mixes gespielt, gesungen und mitgearbeitet hat. Die Muse des Albums ist die amerikanische Sängerin / Pianistin Oleta Adams. Orzabal traf sie 1985 in einer Hotelbar und bat sie zwei Jahre später, beim transzendenten Album-Opener „Woman in Chains“, zu einem Duett. Es gibt den Ton für das gesamte Album an. Adams trägt nun auf dem dritten Album Gospel-Gesänge zu „Bad Man’s Song“ bei, das ein Holland-Piano-Intro enthält, das stark an Weather Report’s „Birdland“ erinnert. Die Anwesenheit von Schlagzeuger Manu Katche und Bassist Pino Palladino unterstreicht dies.

Ozabal befindet sich hier auf dem Höhepunkt seines Songwritings und seiner Produktionskraft und die Musiker auf dem Album verdienen nicht weniger das Prädikat Weltklasse. Das Stärkste sind vor allem die ersten drei Songs und auch die verbleibenden fünf Tracks sind keine Enttäuschung. Das Album anzuhören bedeutet, eine Welt mit eigenen Symbolen zu betreten, die komplex, aber faszinierend sind. „The Seeds of Love“ ist fast ein Konzeptalbum, bis auf die Art und Weise, wie die Zeilen „the sun and the moon“ und „the wind and the rain“ im ersten und letzten Song ziemlich kryptisch auftauchen. Ansonsten gibt es nur wenige Hooks, aber die Songs bleiben dem Hörer fast unterschwellig im Kopf hängen. Üppig und melodisch kommt „Advice for the Young at Heart“ der konventionellen Popmusik am nächsten. Im Gegensatz dazu gewinnt das trostlose, erschütternde „Standing on the Corner of the Third World“ seine Stärke durch eine bemerkenswerte Kollision aus Klang und Idee.

Da „The Seeds of Love“ zeitgenössischen Radioformaten nichts zugesteht (es gibt keine kurzen Songs, große Tanzbeats oder endlos wiederholende Refrains), könnte dieses Album rechtzeitig die eng definierten Grenzen der Popmusik für die 90er Jahre öffnen.

9.2