Ramones – End of the Century

Es musste irgendwann passieren. „End of the Century“ war das erste Ramones-Album überhaupt, das nicht perfekt war. Vier perfekte Alben hintereinander sind eine Leistung, die nur wenige Bands jemals vollbracht haben. Das soll nicht heißen, dass dieses Album schlecht ist; in der Tat ist das Songwriting wohl auf Augenhöhe mit den ersten vier Platten. Doch gab und gibt es noch immer viele Gerüchte über die Band und den Phil Spector, der sich für die Produktion der neuen Songs verantwortlich zeigte und vieles neu gestaltete. Joey war ein großer Fan von Spector’s früheren Arbeiten und war daran interessiert, eine Pop-Platte zu machen, die den Mainstream ansprechen würde. Während Spector von Joey’s Stimme und seinem Potenzial als Popsänger fasziniert zu sein schien, behandelte er angeblich den Rest der Band so, als ob sie keine Rolle spielten. 

Über 20 Jahre später konnte man immer noch den Groll sehen, den Johnny gegen Phil in der End-of-the-Century-DVD hatte. Dee Dee Ramone wurde sogar mit den Worten zitiert: „I couldn’t believe how awful it sounded. It was horrible…I think that some of the worst crap I ever wrote went on that album.“ Wie schlimm war es wirklich? Beim Abspielen der Platte kann man innerhalb der ersten Sekunden sofort feststellen, dass sich dieses Album grundlegend anders anhören wird als alles, was wir zuvor von ihnen gehört haben. Der allererste Track, „Do You Remember Rock ’n‘ Roll Radio?“ enthält einen Synthesizer, ein Saxophon und ein Klavier, die die traditionelle Drei-Akkord-Song-Struktur hinter sich lassen. Es wird jedoch überraschend gut abgezogen. Die Eingängigkeit und der Pop-Sound der 50er Jahre machten es zu einem sofortigen Klassiker. 

Man kann jedoch nicht anders, als zu bemerken, wie unglaublich tief die Gitarre ist, und dies ist im zweiten Track „I’m Affected“ – einen gut geschriebenen Song mit einer der schlechtesten Abmischungen, die Sie jemals gemacht haben – sehr deutlich zu hören. Johnny’s charakteristische Gitarrenakkorde sind kaum hörbar, so dass der Hörer nur einen gedämpften Klang wahrnimmt. Dies ist die Geschichte von „End of the Century“: gut geschriebene Songs mit schrecklicher Produktion, mit Ausnahme des Gesangs, da Joey auf diesem Album besser als je zuvor klingt. Abgesehen von dem kitschigen „Rock ’n‘ Roll High School“ und dem Coversong „Baby, I Love You“ (geschrieben von keinem anderen als Phil Spector) sind alle Songs hier solide. 

Sicher, der Punk ist leiser und der Pop lauter, aber es gibt immer noch die einfachen, eingängigen Power-Chord-Songs, die an die früheren Tage der Ramones erinnern, wie „Chinese Rock“, „This Ain’t Havana“ und „The Return of Jackie and Judy“, eine Fortsetzung des Ramones-Klassikers. Phil Spector’s Triumph ist das auffallend filigrane und wunderschön konzipierte „Danny Says“, ein kompliziertes Gitter aus einsaitigen Gitarrenlinien und fernen, aufsteigenden Powerakkorden. „End of the Century“ ist nicht die beste Platte der Ramones, aber es ist möglicherweise das kommerziell glaubwürdigste Album, das die Ramones jemals gemacht haben. Und sie haben es geschafft, ohne ihre künstlerischen Prämissen dabei zu gefährden.