New Order – Movement

Nach dem Tod von Ian Curtis am 18. Mai 1980 und dem damit verbundenen Ende von Joy Division, entschied sich der Rest der Band kurz nach dem Tod, weiterzumachen. Vor seinem Tod hatten die Mitglieder zugestimmt, nicht unter dem Namen Joy Division fortzufahren, falls eines der Mitglieder die Band verlassen würde. Am 29. Juli 1980 debütierte das noch ungenannte Trio live im Manchester Beach Club. Rob Gretton, der Manager der Band, fand letztlich in einem Artikel des Guardian den neuen Bandnamen New Order. Die Band probte mit jedem Mitglied abwechselnd Gesang. Sumner übernahm schließlich die Rolle. Zudem wollten Peter Hook, Stephen Morris und Bernard Sumner die Besetzung mit jemandem vervollständigen, den sie gut kannten und dessen musikalisches Können und Stil mit ihrem eigenen vereinbar war. Gretton schlug Morris’ Freundin Gillian Gilbert vor, und sie wurde Anfang Oktober 1980 als Keyboarderin und Gitarristin in die Band aufgenommen.

Die erste Veröffentlichung als New Order war die Single „Ceremony“, mit Beilage von „In a Lonely Place“. Diese beiden Lieder wurden in den Wochen geschrieben, bevor Curtis sich das Leben nahm. Mit der Veröffentlichung von „Movement“ im November 1981 begannen New Order zunächst auf einem ähnlichen Weg wie in ihrer vorherigen Inkarnation und spielten dunkle, melodische Songs, wenn auch unter verstärktem Einsatz von Synthesizern. Das Interessante an „Dreams Never End“ ist, dass Peter Hook darauf singt, und das tut er genauso wie Sumner. New Order waren hier eine Band ohne Frontmann. Die Aufteilung blieb identisch, auch nachdem Sumner der reguläre Sänger geworden war. Sumner’s oft flache, affektlose Stimme ist vielleicht ein vertrauter Kontaktpunkt mit New Order, aber nur selten im Fokus. 

Ihre notorisch nachlässigen Texte – Sumner hat im Allgemeinen großartig gespielt – sind ein weiteres Zeichen für das Unbehagen der Gruppe, wie Rockmusik durch ihren Sänger gelenkt wird. Kein Wunder also, dass das 12 „-Format für New Order so attraktiv war – mehr Raum, in dem der Gesang völlig verschwinden konnte. Trotz der undurchsichtigen Texte der Band gibt es überall auf der Platte leicht erkennbare Hinweise auf Curtis, wobei Verzweiflung und Verwirrung vorherrschen, insbesondere bei „Senses“ und „ICB“. Ein weiteres Geheimnis von New Order ist ihre Fließfähigkeit, ihre tänzelnde Aufteilung im Licht des Scheinwerfers. Zu jeder Zeit in einem Song könnte einer von ihnen den Hook liefern – das helle Drama von Gillian Gilbert’s Keyboard, die schwindelerregende Sequenzierung von Stephen Morris’ Percussions, Peter Hook’s berühmte und zu jeder Zeit flüssig laufenden Basslinien oder tatsächlich Sumner’s eigene Gitarre – so herrlich voll und melodisch wie seine Gesänge leer sind.

In gewisser Weise geht es bei „Movement“ sowohl um die Hoffnung der Zukunft als auch um den Schmerz und die Hölle der Gegenwart. New Order produzierten mit „Movement“ eine gespenstische, spröde Platte, die gelegentlich schnell, aber nie optimistisch war. „Movement“ wäre ein Meisterwerk in der Karriere jeder anderen Post-Punk-Band gewesen. Hier erblasste dieses Album nur im direkten Vergleich zu den späteren Werken der Band.