Brendan Benson – One Mississippi

Nun endlich, das lang ersehnte Debüt ‚ One Mississippi ‚ von Brendan Benson. Dem Musiker aus Michigan, der früher sämtliche Platten seiner Eltern auswendig konnte und die Geschichte im Jahr 1996 um ein weiteres Kapitel vorantreibt. Zum Glück hat er dafür einen Platz bei Virgin Records bekommen und mit seinem Kumpel und Produzenten Jason Falkner ein beachtliches Werk mit 13 Songs auf die Beine gestellt. Hierzulande musste leider ein halbes Jahr gewartet werden. Doch für alle die bisher nicht die Gelegenheit hatten in dieses Meisterwerk hinein zuhören, denen sei gleich zu Anfang nahe gelegt, das Album in die Hand zu nehmen und die Scheibe in den Plattenspieler zu legen. Es lohnt sich. Selten wandert der Hörer in einer derart verträumten Version so zielstrebig den eigenen Gedanken hinterher.

 

Es ist eine Schaukelstuhl Version. Der Blick ruht völlig entspannt auf den weitläufigen Mississippi. Die Sonne scheint wärmend vom strahlend blauen Himmel herab während die Pfeife genüsslich kleine Rauchwölkchen in die Luft zwirbelt und die Songs sanft und beruhigend an der hauseigenen Veranda vorbeiziehen. Diesen Ort will man um nichts in der Welt verlassen. Diesen Stuhl will man nicht mehr verlassen. Und überhaupt will man nie mehr aus diesen Visionen erwachen, wäre da nicht das unausweichliche Ende nach knappen 45 Minuten. Doch so schön die Songs, so tragisch sind manchmal die Geschichten dazu. Fast immer handeln die Texte von in die Brüche gegangenen oder angehenden Beziehungen. Selbst in Augenblicken, wenn die eigene Handlung in eine völlig andere Geschichte überläuft. Auch ist es die Tragik und das tiefe Misstrauen gegenüber großen Major Labels. Die Verwüstung der Musiklandschaft, die Ausrodung der Artenvielfalt. Doch wo Dinge sterben, wächst bekanntlich neues Leben nach. ‚ One Mississippi ‚ ist eines dieser seltenen Phänomene, die bei der Rodung übersehen wurden.

Dementsprechend bekam Benson keine wesentlichen Werbe-Unterstützungen, musste sich alleine durch die kargen Steppen kämpfen und selbst der Eröffnungsauftritt mit Tom Petty & The Heartbreakers blieb größtenteils unbeachtet, so dass der endgültige Schluss kam: Benson wurde von Virgin fallen gelassen. Es bleibt dennoch ein Album das bis über den Horizont erstrahlt, es verdient Lob und Anerkennung. Perfektes Songwriting wurde hier in eingängige und zarte Melodien verpackt die vor Lebenslust nur so sprudeln. Doch leider mischen sich dazu immer wieder die stummen Hilfeschreie missverstandener Worte. Werbung hilft oftmals, aber es ist noch lange nicht alles. Warum das Label bei Brendan Benson die überzogene Kündigung aussprach bleibt offen. Wir hoffen mal es lag nicht nur an den enttäuschenden Verkaufszahlen. Diese epischen Geschichten haben ein Recht zu leben, die Harmonien verlocken wie eine verschlossene Schatztruhe. Dezente Arrangements untermalen perfide überraschend komplexe Strukturen. ‚ One Mississippi ‚ ist ein Meisterwerk, keine Frage. Ein ungeschliffener Rohdiamant, wie er wohl bis in alle Ewigkeit einer bleiben wird…

9.3