Aimee Mann – @#%&*! Smilers

Rock, VÖ: Juni 2008
Ganz im Pop-Klassizismus-Stil hat sich AIMEE MANN zur sagenumwobenen „Songwriterin“ entwickelt – ein höflicher Euphemismus für jemanden, dessen gut konstruierte Klagelieder zwar tiefgründig sind, aber keine Aufmerksamkeit erregen.

Aimee Mann’s Melodien sind leicht vorhersehbar geworden: Bissige Texte sind oft mit einer vertrauten Moll-Akkordfolge verbunden, ihre Bridges sind immer noch bombastisch und oft einprägsamer als ihre Refrains. Mann’s Talent für Gesangskunst und clevere Wendungen ist nach wie vor hervorragend, sodass Vorhersehbarkeit in ihrem Fall auch Zuverlässigkeit bedeutet. „@#%&*! Smilers“ lässt (den größten Teil) der Besessenheit von der Drogenabhängigkeit hinter sich, die das schön klingende, aber streng verfasste „Lost in Space“ und das fehlgeleitete Konzeptalbum „The Forgotten Arm“ beeinträchtigte, das mit einer Handlung über Vietnam, Boxen und Heroin prahlte, die von jemandem gesungen wurde, der scheinbar sehr wenig über all diese Dinge zu wissen schien.

Mann wird von Bewunderern oft als enttäuschte Romantikerin dargestellt, aber in Wirklichkeit ist sie eher eine Zynikerin. In den letzten zwanzig Jahren hat sie eine außerordentliche Anzahl ungemein schöner Melodien geschaffen und ihre Lieder mit einer Reihe tiefgründiger und einprägsamer Charaktere bereichert, die mit komplexen Problemen zu kämpfen haben. In ihren besten Songs („I’ve Had It“, „Save Me“, „Par for the Course“, „Ghost World“) packt sie mehr emotionale Informationen in ein paar Minuten, als man aus manchen Romanen herausholen kann. Müssten wir es auf einen Schlüsseltrick reduzieren, dann liegt die Genialität von Aimee Mann in ihrer anhaltenden Fähigkeit, scheinbar unbeschreibliche emotionale Krisen durch eine entwaffnend direkte Sprache einzudämmen.

Eine von Mann’s größten Stärken besteht auch darin, dass sich ihre Lieder langsam entfalten und nach ein paar Anhörungen unauslöschlich zu sein scheinen – aber „@#%&*! Smilers“ fesselt uns und zwingt uns nie dazu, die Platte zu lernen, denn es gibt beides: Große Pop-Hooks und ein satter Klangglanz. Im Kern handelt es sich nur um eine Sammlung von Liedern, aber für einen Songwriterin ist es eine Seltenheit: Es fungiert als eigenständiges Werk und als erstklassiges Pop-Album.

7.0