2:54 – 2:54

Alternative RockIndie Rock, Mai 2012
Die Londoner Schwestern Colette und Hannah Thurlow von 2:54 geben ihr kaltes, rauchiges, von Goth-angetriebenes Debüt. Ein Album für die Ewigkeit.

Es stockt einem der Atem. „Revolving“ steht vor deiner Tür. Es dringt durch die kleinen Luftschlitze ein, der umhüllende Klang zerrt uns kurz darauf in die dunklen, atmosphärischen Weiten des Schwestern-Duos Colette und Hannah Thurlow. 2:54 zeigt die Uhr am Handgelenk an, bevor auch diese in der zeitlosen Welt Ihren Sinn und Zweck aufgeben muss. Überhaupt spielt dieser Moment eine tragende Rolle im Leben der beiden Geschwister, denn exakt zu diesem Zeitpunkt erklingt auch die Lieblingsstelle eines Songs der Melvins. Doch Ihre eigenen Songs sind unscharfe und verzerrte Spheren voller lautstarker Gitarren, die bereits im Eröffnungsstück „Revolving“ unheimlich temperamentvoll die geisterhafte Erscheinung verlassen und reflektierende Figuren mit Ihren schwarz umrandeten Augen in einer spektralen Atmosphäre die hingebungsvollste Verführungskunst anwenden – die in den letzten Jahren wie ausgestorben schien.

Colette und Hannah lehrten sich das Spiel an der Gitarre im jugendlichen Alter selbst, komponierten und schrieben eigene Songs abseits der Öffentlichkeit – doch nur bis zu dem Zeitpunkt als Ihre Debüt EP „Scarlet“ im Jahr 2010 veröffentlicht wurde. Danach ging es steil bergauf. Es folgten Konzerte mit Warpaint, den Wild Beasts, Melissa Auf De Maur, Yuck, The Maccabees und natürlich auch mit The Big Pink. Im zweiten Stück „You’re Ealy“ schlüpfen wir dann vier Minuten lang in einen melancholischen, in Sepia getönten Traum. Ein schimmernder Klang durchbricht den abgestandenem Zigarettenrauch, die dampfende Energie hämmert die Gitarren-Riffs mit Ihren schwarzen Fingernägeln in unsere Gehörgänge, während „Easy Undercover“ die Tanzbarkeit der zahlreichen Anhänger prüft. Rhythmisch drücken die Beats durch treibende Melodien, fast schon zärtlich streichen uns die hellen Gitarren-Parts im Refrain die schweißnassen Haare aus dem Gesicht.

Mit „Scarlet“ folgt das damalige Eröffnungsstück Ihrer EP und erneut pressen die lärmenden Bass-Linien den Hörer an die Wand. Hypnotisch und ansteckend, robust und wunderschön. Die Mischung auf dem Debüt ist einzigartig. Die Einzigartigkeit ist hierbei keineswegs nur eine unbedachte Übertreibung. Die beiden Schwestern kämpfen sich mit Ihren Gitarren und dem Schlagzeug durch aufgeladene und elektrifizierende Momentaufnahmen. „Sugar“ ist dabei Ihr eingängigstes Stück geworden (man beachte die letzten dreißig Sekunden!). Dancefloor-Rhythmen unterstreichen die anschwellenden Feierlichkeiten zwischen Liebe, Verlust und Sehnsucht. Eine äußerst fesselnde Wirkung hat auch die vorletzte Nummer „Ride“ mit seinen unheilvollen Melodien, den gehauchten Gesängen und der schleichenden Angst im Nacken. Doch mit „Creeping“ zelebrieren 2:54 einen Schlussakt, der so wunderschön geworden ist, dass sich Colette und Hannah Thurlow bedenkenlos auf eine berauschende Zukunft einstellen können. Wahnsinn.

10.0